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Mein LinkedIn-Foto kriegst du nicht!

Vor ein paar Tagen bin ich auf LinkedIn auf eine interessante Diskussion gestoßen. Auslöser war die Frage, warum so viele Menschen kein LinkedIN-Profilfoto hinterlegt haben.

Das ziemlich klare Fazit: Kontaktanfragen ohne Bild werden fast immer ignoriert.

Fehlendes LinkedIn-Profilbild kommt nicht gut an

Ich habe mich gefragt, warum lehnen wir eigentlich Kontaktanfragen ohne Profilbild ab? Ich für meinen Teil nehme ja auch mal einen Anruf entgegen, obwohl ich die Nummer auf dem Display nicht kenne. Was ist bei LinkedIn anders?  

Ganz offensichtlich liegt es an den technischen Möglichkeiten dieses Online-Business-Netzwerks.

Bei einem Anruf bin ich nämlich total entspannt, so lange es kein Skype-Videoanruf ist. Der Anrufer sieht ja nicht, dass ich noch im Pyjama und mit zersaustem Haar am Frühstückstisch sitze. Anders ist das bei LinkedIn oder auch bei anderen sozialen Netzwerken.

LinkedIN-Kontaktseite ohne Profilfoto
LinkedIN-Profilseite ohne Foto – Copyright Alaenka Mladina

Profilbilder gehören zu einem professionellen Auftritt

Mit Facebook, LinkedIn & Co. haben wir gelernt, zu einem Profil gehört ein Foto. Das darf auf Facebook auch mal etwas privater und lockerer sein. 

Das LinkedIn-Profilfoto sollte es schon professioneller sein, ähnlich wie ein sympathisches Bewerbungsfoto. 

Ich halte fest: Wir haben es gelernt. Aha.

Das kann doch nicht der alleinige Grund sein!? Wir Menschen sind neugierig, wissbegierig und – wenn ich mich aktiv auf LinkedIn bewege – unterstelle ich mal, sind wir auch offen für neue Kontakte.

Zeig dich, oder ich ignoriere deine Kontaktanfrage

Warum entscheidet das Profilbild darüber, ob ich jemand als Kontakt akzeptiere oder nicht? Ich starte einen Erklärungsversuch über Studienergebnisse. Die zeigen: Unser Gehirn mag Bilder.

Im Gegensatz zu Text kann unser Gehirn visuelle Elemente viel schneller verarbeiten. Auf LinkedIn bezogen heißt das: Wir möchten möglichst rasch einen ersten Eindruck von der Person bekommen, sie einordnen und Vertrauen aufbauen.

Ist dir schon einmal aufgefallen wo dein Auge als erstes hinwandert, wenn du dir eine Webseite, einen Text oder auch eine Zeitung anschaust? Genau, auf die Bilder. Denn unser Gehirn kann Bilder intuitiv und viel schneller verarbeiten.

Unser Gehirn bevorzugt Fotos

Bei Bildern müssen sich unsere Gehirnzellen nicht mit dem Kontext auseinandersetzen. In Modezeitungen kannst du das sehr gut beobachten. Dort sind die neuesten  Outfitkreationen von Lagerfeld & Co. oder die neueste Gucci-Tasche in extra großem Format abgebildet. Text gibt es nur minimal.

Bei LinkedIn haben wir es also nicht nur gelernt, dass ein Foto zu einem Kontakt gehört. Unser Blick fällt automatisch als Erstes auf den kleinen Kasten links oben im Profil, wo uns normalerweise jemand nett entgegenlächelt. Ist da kein Foto, sondern nur ein graues Icon, sind wir ein klein wenig enttäuscht.

Meist fragt sich dann der kleine Skeptiker in uns: Was hat diese Person zu verbergen? Ich zeige mich doch auch! Ne, dieser Person kann ich nicht vertrauen. Und schon bin ich weg und klicke auf das nette Foto der nächsten Kontaktanfrage.

Gibt es wirklich so viele LinkedIn-Profile ohne Foto?

Okay, ich fasse die bisherigen Erkenntnisse einmal zusammen:

  1. Wir erwarten Bilder auf einer Profilseite
  2. Unser Gehirn reagiert besser auf Fotos
  3. Ein Profilfoto schafft Vertrauen
Wenn das so ist… und um wieder auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Warum gibt es auf „so vielen“ LinkedIn-Profilen kein Foto?

Spontan fallen mir ein paar Gründe ein:

  • Das Profil ist neu und das Bild kommt noch, denn das letzte Selfie ist wirklich nicht repräsentabel
  • Das Profil ist zwar bereits angelegt, wird aber nicht aktiv genutzt oder das Passwort wurde vergessen
  • Die Person hat sich bewusst gegen ein Profilbild entschieden
  • Das Profilbild ist nur für direkte Kontakte freigegeben
    (Ja, du kannst bei LinkedIn nur bestimmten Personen dein Foto zeigen)
  • Fällt dir noch etwas ein?

Meine Thesen muss ich doch gleich mal überprüfen. Rasch mal schnell in meine Kontaktliste 2. Grades bei LinkedIn geschaut.

Die harten Fakten – der Versuch

Ich stelle fest: Von „vielen LinkedIn-Profilen ohne Foto“ kann nicht wirklich die Rede sein. Nur 5% meiner Stichprobe von 200 Kontakten 2. Grades werden ohne Foto angezeigt.

Etwa ein Drittel ist sogar LinkedIn-Premium-Nutzer, sehe ich an dem kleinen Icon neben dem Kontaktgrad. Diese Person investiert also Geld in LinkedIn, um deutlich mehr Möglichkeiten der Online-Plattform auszunutzen.

Das finde ich spannend und fühle mich in der Annahme bestätigt, dass die allermeisten ihr Profilbild zwar hochgeladen – aber nicht für alle freigegeben haben.

"Das Foto wird häufig erst bei Kontakten angezeigt"

Für diese Annahme sprechen auch die Jobtitel der Kontaktseiten ohne Profilbild: 

  • Chefredakteur eines großen deutschen Fachmagazins
  • Social-Media-Experte, Vice President eines der Top-Fernsehsender in Deutschland
  • Director Content
  • usw.

Ich habe ja viel mit Medienmenschen und Social-Media-Expeten zu tun und weiß, diese Profis wissen um die Bedeutung und Wirkung von Profilfotos.

Warum fehlt es dann? Meine Neugier wächst. Also schreibe ich drei der LinkedIn-User ohne Profilbild an.

Eine Antwort bekomme ich innerhalb einer Stunde: “Hallo Frau Mladina, das Foto wird häufig erst bei Kontakten angezeigt”. Ist das nun bewusst gewählt oder nicht, da kannn ich nur spekulieren. Auf meine Nachfrage kommt auch nichts mehr zurück.

Auf jeden Fall gefallen mir die Kontakte mit einem ansprechenden Profilfoto deutlich besser. Dir auch?

Dir hat der Artikel gefallen? Oder hast Du noch eine Frage? Schreib mir, ich freue mich auf den Austausch, selbstverständlich #gernperDu auf LinkedIn:
https://www.linkedin.com/in/alenkamladina/